Gerhard Mevissen

Projekte (Auswahl)

Lichtung Stillefeld

Stelenfeld Selfkant-Höngen

"Wir brauchen Stillezonen, in denen das Bisher unsere Lebens für eine Weile verstummen kann."

Den Standort für ein solches "Stillefeld" hat Gerhard Mevissen in Selfkant-Höngen gefunden. Das Stillefeld wurde über einen mehrjährigen Zeitraum entwickelt und im Jahr 2009 eröffnet. Es besteht aus acht Stelen: Sieben stehend und eine liegend
Das Kunstwerk integriert sich in eine durch den Sturm geschlagene quadratische Waldlichtung eines alten Eichenbestandes.
Auf abstrakten Reliefs (jeweils 4 an jeder Stele) setzt sich Gerhard Mevissen mit dem Thema Stille auseinander und bietet dem Betrachter eine Vielzahl von Blickwinkeln, die der eigenen Annäherung an den Themenkomplex dienlich sind.
Weitere Informationen finden Sie auch in dem dazu erschienenen Kunstband.


Zeitheftungen-Buchorte

eine bildnerische Wanderung in das hohe Zeitgebirge des Buchwissens

"Vor mir liegen Schichtungen aus Rätseln geschöpft, versiegelte Geheimnisse, zu lesen, zu schauen. Ich entblättere Verhülltes, das verhüllt bleibt. Sieben alte Bücher hier auf meinen Arbeitstischen, mehr als 5.000 Jahre, ein alpines Zeitgefühl."

So brachte es Gerhard Mevissen auf den Punkt, als er 2008 auf Einladung von Professor Schmidt aus der Kölner Dombibliothek begann, sich mit kostbaren, alten Handschriften zu beschäftigen und an den ehrwürdigen "Buchorten" Bilder in moderner Sprache zu gewinnen.
Diese Art Bildsuche am alten Buch verfolgt er bis heute und hat sie auch auf den Buchbestand anderer Bibliotheken ausgeweitet.
Professor Schmidt beschreibt das Projekt auf diese Weise : "Vor Ort erfolgte die intensive Betrachtung der ausgewählten Objekte, wurden zahlreiche Skizzen, Notizen und Gedanken im Künstlerbuch notiert und mit weichen Bleistiften behutsam Abnahmen und Frottagen verschiedener Bucheinbände gefertigt. Im Atelier wurde dieses Rohmaterial dann in zahlreichen Schritten weiterbearbeitet, zeichnerisch vertieft und abstrahiert."


Stille Speicher

Räume hinter dem Bild im Bild

Im Jahr 2000 beginnt Gerhard Mevissen die Auseinandersetzung mit dem Quadrat als Form, mit der Vierung als Raum im Bild, als zu umkreisende freie Mitte.
Wie schon in mittelalterlichen Kreuzgängen geht es hier um das Umschreiten von Ecken und damit verbunden auch um die permanente Richtungsänderung: die Kehre.
Das Entstehenlassen einer Vierung aus dieser Bewegung heraus ist erlebbar als eine einsammelnde Bewegung, die im Bild anders erfahren wird, als wenn das Quadrat aus der Fläche heraus malend entwickelt wird.
Die wesentliche Entdeckung des Bildzyklus "Stille Speicher" ist das Sich-Bewegen um die freie Mitte, die im Bild meist das Weiß des unbemalten Büttenpapiers ist. Sie muss durch alle Malprozesse hindurch als unberührte Fläche gegen Farbe freigehalten werden.
Sie fungiert als Öffnung zum Raum hinter dem Bild im Bild.
Ein Raum, in dem Stille gespeichert ist.


Blindgänge

Topografien

Der Bildraum Blindgänge ist eine Installation aus Papierarbeiten und Tastreliefs (Betonguß). Auf Anregung von Frau Judith Noll (Direktorin Salve TV Erfurt) in den Jahren 2000 bis 2002 entstanden und als Wanderausstellung konzipiert, waren die Blindgänge an verschiedensten Orten zu sehen bzw. zu ertasten: u.a. Alte Villa Haar im Goethepark Weimar, Kreismuseum Heinsberg, Kulturverein Neunkirchen/Saar, Lehmbruck Museum Duisburg, Kunstkirche St. Rochus Köln.
Konkreter Ausgangpunkt sind drei geschichtsträchtige Topografien der Städte Madrid und Berlin: Die Puerta del Sol, die Mauer am Brandenburger Tor und die Topografie des Terrors.
Durch Tastreliefs, die zunächst in Tonmasse gearbeitet und Druckstock für Bildabnahmen verwendet wurden, entwickelte sich ein Zusammenspiel von Tastflächen und einem sie umgebenden Bildraum. Das "Sehen" mit den Fingern und das Sehen mit den Augen kann für die nicht-sehbehinderten Menschen ein Mehr als Wahrnehmung stimulieren, während die blinden Menschen historische Topografien in bewegt modellierter Form erkunden können und ein sicherlich bescheidener Versuch unternommen wird, dass sehende Menschen mit ihnen in einen Dialog kommen, der etwas von den visuellen Bildern ihnen nahe bringen möchte.
Es handelt sich sicherlich um eine fragmentarische Schnittstelle zwischen dem großen Bildverlust und dem kleinen Stiften neuer Bildentdeckungen und einem Dialogüber das Sehen und Nicht-Sehen.
Dafür wurde Gerhard Mevissen 2001 vom Deutschen Blindenhilfswerk ein Kunstpreis verliehen.