Gerhard Mevissen

Newsletter

Briefe aus dem Atelier

Gerhard Mevissen versendet in regelmäßigen Abständen Briefe aus dem Atelier. Wenn Sie diesen Newsletter erhalten möchten, tragen Sie bitte in das unten stehende Formular Ihren Namen und Ihre E-Mail Adresse ein und aktivieren Sie das "anmelden" Feld (i.d.R. bereits aktiv).
Um sich von der Liste abzumelden, tragen Sie bitte Ihren Namen und Ihre E-Mail Adresse in das Formular ein und aktivieren Sie "abmelden".
Wenn Sie Ihre E-Mail Adresse ändern möchten, löschen Sie bitte zuerst die alte Adresse und melden sich mit der neuen Adresse erneut an.
Um Ihre E-Mail Adresse auf eine Sperrliste setzen zu lassen, melden Sie sich bitte per E-Mail, schriftlich, oder telefonisch.

Newsletter An-/Abmeldung

Ihr Vorname:


Ihr Name:


Ihre E-Mail-Adresse:


Sie möchten sich zu unseren Newsletter
  anmelden
  abmelden

Mit Angabe Ihrer Daten und Absenden der Anmeldung erklären Sie sich mit der Speicherung Ihrer Daten einverstanden, sowie den hier bestellten Newsletter von Gerhard Mevissen zu erhalten. Dieses Einverständnis können Sie jederzeit widerrufen. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.
Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Gerhard Mevissen - Newsletter im Oktober 2018

Brief aus dem Atelier 64 - Oktober 2018


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

H eute möchte ich ein Bild aus dem Reigen der „Jahresgaben 2018“ zum Thema machen. Es ist als Nr. 17 auf der Homepage zu sehen. Die übrigen aktuellen Bilder dieser alljährlichen Kunstaktion sind bis zum 31. Oktober auf der Startseite der Homepage präsentiert.

Jahresgaben 2018

D as Bild zeigt sinnbildhaft die Doppelseite eines aufgeschlagenen Lebensbuches, aus dem die Atmosphäre von Sommertagen den Betrachter*innen entgegenduftet. Diese Arbeit wurde in den heißen Tagen des diesjährigen Sommers von mir gestaltet. Dennoch ist das Bild ein Erinnerungsbild. Es antwortet auf die Kalt-Dunkel-Zeit des Winterhalbjahres. Mich beschäftigte darin die Schwere, die sich unversehens auf viele von uns Menschen legt, wenn sie der Winter findet. Dann scheinen mit einem Male die Wärme, die Farben, das Licht, all das Leuchten aus den Begegnungen und Begebenheiten vergessen zu sein, die in den Sommertagen erlebt und gesammelt wurden.

Ü ber das Bild möchte ich den Betrachter*innen zusprechen: Schlag das Buch deines Lebens dort auf, wo die Momente des Sommers, der Wärme, der Leichtigkeit ihren Ort haben. Schau sie an und lasse sie dich nachwärmen, dir nachleuchten wie eine Spätlese von Momenten, an die du dich wieder innerlich anschließen kannst wie an das Geströme guter Erinnerungen. Dann kannst du dich fragen: Was öffnet die Betrachtung eines Vogelfluges in dir? Was blüht in dir auf, wenn du eine Blume anschaust?

E in Mann, der das Buch von der aufgeschlagene Doppelseite der Sommertage erworben hat, will es in Düsseldorf in seinem Büro aufhängen und – wie er sagt – nicht nur wintertags, sondern tagtäglich die „Sommerenergien“ daraus schauend aufnehmen. Hier wird der Mann wohl immer wieder aufschauen von seinem PC, seinen Aktenordnern oder zwischen den Telefonaten mit Kunden und seinen Blick über das Bild mit dem aufgeschlagenen Buch schweifen lassen: ein Blick wie durch ein Fenster auf eine poetische Landschaft.

D as aus freien schöpferischen Prozessen gewonnene Bild wird dann auch von den unausgesprochenen Erwartungen eines schauenden Menschen belebt, indem er in der poetischen Vielfalt der Abstraktion kristalline Konzentrationen und geistige Essenzen entdecken kann, sie persönlich für sich findet und mit etwas aus dem eigenen Leben zu verbinden vermag.

Ü berdies hat das Formmotiv des aufgeschlagenen Buches eine starke kompositorische Setzung: Es öffnet. Es breitet sich empfangend aus. Es ist – wie du und ich – achsial gespiegelt und seine Mittelfaltung wie eine aufrechte Wirbelsäule. Ein solcher, aus einer nahezu identischen Doppelung hervorgehender Bildraum ist uns vertraut wie ein Körper. Auf ein geöffnetes Buchzeichen zu schauen, schlägt auch ein inneres Buch in den Betrachter*innen selbst auf. Es ist eine gewinnende, aufschließende Haltung, die dabei eingenommen werden kann. Und hier ist sie von sommerlichen Erfahrungen angereichert.

V ielleicht haben solche Bilder darüberhinaus etwas von dieser poetischen Vitalität, die uns betrachtend berührt, wenn sie uns ins Offene, ins Unbekannte führen, das außerhalb von uns selber existiert: Die Entdeckung einer Schönheit, die uns anzublicken und uns für einen Moment in das zu verwandeln scheint, was wir ersehnen und suchen. Vielleicht ist es nicht mehr als das Echo einer Begegnung.

A ll das ist sehr geheimnisvoll, so geheimnisvoll, dass man es nicht wagt, genauer darüber nachzudenken. Hier mag man schauen, horchen und fühlen, nicht aber analysierend über die Schwelle treten. Es braucht diese vitale Nahtstelle, die man für innere Begegnungen lebendig erhalten möchte. Diese Naht kann eine Grenze sein, eine lebendige Linie, auf der man grenzgehen kann zwischen Gestern und Heute, zwischen Sommer und Winter.

D iese Nahtstelle kann auch eine Art Übergangsraum sein zwischen Innen und Außen, ein Raum, in dem man ein Bild einrichtet, das einem hilft, lebendige, warme Momente des Lebens sich zu vergegenwärtigen, wenn man sich danach sehnt oder sie einfach durch Erinnerung würdigen möchte.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 22. Oktober 2018