Gerhard Mevissen

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Gerhard Mevissen - Newsletter im Mai 2018

Brief aus dem Atelier 60 - Mai 2018


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

„Bleiben im Treibenden“:
Mein Kunstprojekt in den beiden Kirchen auf dem Brüser Berg in Bonn ist mittlerweile beendet. Es hat sozusagen wieder hinter sich aufgeräumt. Die Kirchenräume sehen wieder so aus wie zuvor, als hätten hier keine Bildsetzungen vor und nach Ostern stattgefunden. In den Menschen aber, die sich während dieser Zeit hier mit den Bildern beschäftigt haben, ist - so die Hoffnung des Künstlers – das ein oder andere geblieben, das sie weiter sinnsuchend beschäftigt.

W enn Sie mögen, schauen Sie auf die Startseite der Homepage, um einige photographische Eindrücke des Projektes zu betrachten, die der Künstler Jan Masa aus Hochdahl eingesammelt hat.

Startseite der Homepage

D ie besonderen Veranstaltungen - Eröffnungsfeier, Lesung, der Vortrag der Theologie-Professorin Cornelia Richter, die beiden Führungen - sie atmeten jeweils ihre eigene Atmosphäre der Dichte. Die Resonanz der Menschen war intensiv und bestätigend für die Veranstalter und das durchführende Team. Am Ende erweist es sich wieder einmal als sinnvoll, zeitgenössische Bilder nicht nur an ausgewiesenen Kunstorten auszustellen, sondern auch an religiöse Orte zu tragen, um dort auf eine andere Weise mit den Themen und Symbolen des Kirchenjahres zu interagieren.

I st es doch eines meiner Anliegen, neue Blicke auf alte Themen über die Bilder und Bildsetzungen im Kirchenraum zu stiften, ein Sehen, das die Betrachter*innen dazu anregen möchte, Symbole, Worte und Rituale auf ihre Inhalte und Geschichten hin wieder neu wahrzunehmen.

A ls einer der Menschen, die sich die Bonner Ausstellung angeschaut haben, kam mich vor einigen Tagen ein Mann im Atelier besuchen. Ihm fielen die getrockenen Blüten, Blätter, Samengefäße und Stängelgebilde auf, die überall zwischen den Farbtuben, Pinseln, Zeichenstiften und halbfertigen Bildern auf meinem Arbeitstisch liegen. Er fragte mich, ob sie dort darauf warten, um gezeichnet oder gemalt zu werden.

M eine Antwort: Ich schaue sie einfach immer nur an, mache aber nichts Konkretes mit ihnen. Sie sind sozusagen mein herbarischer Garten im Haus. Mit ihren gewachsenen Linien und Formen antworten sie auf noch herumstromernde Gedanken und Zeichenlinien in mir. Es kann schon sein, dass irgendetwas auf unbewussten Wegen mit ins Bild spricht. Ich weiß es nicht. Aber ich schaue sie gerne an und habe sie gerne in meiner Nähe.

M it diesen botanischen „Einsprengseln“ in meinem Arbeitsbereich verbinde ich auch die Hoffnung, dass die tägliche Sehschule durch die gewachsene Kreativität der Natur meine intentionale, menschliche Kreativität bereichert um natürliche, organische Linien und Formen. Ich mache dann die Erfahrung, auf diese Weise mein Sehen zu erweitern. Es bildet sich mehr und mehr ein Blick aus, der alles, was er anschaut, als kostbar wahrzunehmen vermag.

E s ist vielleicht ein Geheimnis der gewachsenen Linien und Formen in der Natur: Sie machen das Große und das Kleine, wie das Ganze und das Detail transparent für den großen Traum, der der Schöpfung überall innewohnt. Es ist diese andere Schönheit, diese stille, verborgene, ja scheue Schwester der professionell erarbeiteten Schönheit. Sie vermag einem Bildzeichen etwas von einem tiefgründigen Gleichnis zu verleihen, das ein lebendigeres Sehen, Fühlen und Denken auslösen kann. Schaue ich auf ein einfaches, herzförmiges Lindenblatt: Besser als jedes brilliante Gemälde macht es anscheinend den ganzen Lindenbaum auf organische Weise sichtbar. Es stellt nicht dar. Es zeigt auf, was es ist: Linde und Lindenblatt.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 17. Mai 2018