Gerhard Mevissen

Zurufe

Gerhard Mevissen - Zuruf im Juni 2015
Blumen am Wegrand
16 a-q
 
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Zuruf im Juni 2015

Im Atelier

Eine junge Frau schreibt an einen Maler:

Vor langer Zeit habe ich bei Ihnen ein Bild für meine Kunstsammlung gekauft.
     Bei meinen anderen Bildern wollte es sich nicht einpassen.
So hängte ich es in die Diehle für sich allein, zwischen Bad und Küche.

Seitdem begrüßt es mich immer freundlich, wenn ich nach Hause komme. Verlasse ich mein Haus, winkt es vertraut hinter mir her.

Und es kam immer häufiger vor, dass ich das Bedürfnis hatte, frische Blumen unter das Bild zu stellen, oft rote Rosen.

Mal stimmt es mich wehmütig, mal traurig, meist fühle ich mich von ihm
     getröstet.

So vergingen fast fünf Jahre. Ich ahnte allmählich: Es ist weit mehr als ein
     Kunstobjekt für mich, es ist wie eine gute Freundin.

Als sich im vergangenen Sommer wieder der Todestag meiner Schwester jährte,
     fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Als Jugendliche schwammen wir
     zu weit hinaus.

Ich wurde gerettet. Meine Schwester gab das Meer nicht mehr her.

Das Bild ist mir ein guter Ort für meine Trauer geworden.
Mein Schmerz vagabundiert nun nicht mehr so viel umher.
Gut, dass ich all die Jahre - unbemerkt - über das Bild Trost und Annahme
     erfahren habe. Wer weiß, was ich sonst mit dem Bild gemacht hätte, wäre
     mir das früher aufgegangen...

Das wollte ich Ihnen mitteilen. Ich möchte, dass Sie das als Maler meines Bildes wissen.


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