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Gerhard Mevissen - Newsletter im Juli 2020

Brief aus dem Atelier 76 - Oktober 2020


Liebe Freund*innen kontemplativer Kunst!

I n diesen Herbst hinein gebe ich meine Buchedition „Perlen Weinen“ als die diesjährigen „Jahresgaben 2020“ heraus: seit 2007 die sechste Buchedition. Sie ist schon eine feste Tradition in meinem Werkverzeichnis geworden. Nun liegt sie vor als eine bibliophile Bild-Text-Arbeit in einem handgefertigten Mappenkasten.

D iesmal handelt es sich um 31 Bild-Variationen zum Thema „Flussperlmuschel“ und zeigt verschiedene Wege der Perlenbildung bzw. poetischer „Perlengeburten“. Ich habe sie in den vergangenen Monaten als Aquarelle gemalt, in den Maßen 23,5 x 21, 5 cm. Das jeweilige Editionsbild liegt in einem Mappenkasten mit vier von mir handgeschriebenen Zurufen und einem eigens signierten „Perlen Weinen“-Buch. Der Mappenkasten, wie ihn manche bereits durch die ersten drei Bucheditionen kennen werden, ist eine sorgfältige Handarbeit der Düsseldorfer Buchbinderin Marga Hoffmann.

A uf der Startseite der Homepage werden Sie alle Bilder und die nötigen Informationen finden.

Jahresgaben 2020 - Startseite

N un ist das neue Zurufe-Büchlein „Perlen Weinen“ seit Ende Mai zu interessierten Menschen unterwegs und mittlerweile auch von vielen neuen Leser*innen gefunden worden. Immer wieder taucht dann die Frage auf, warum ich meine Texte „Zurufe“ nenne. Hier ein Versuch, dies deutlich zu machen:

Z uruf, dahinter steht zunächst ein Ruf: eine Art Klopfzeichen aus dem Verborgenen, in einem geistigen Nahraum. Ein solcher Ruf stellt sich einfach ein, ist da, ohne Absicht, ohne Mitteilung in Worten, kein Imperativ. Er macht mich lauschend, in mich hineinhörend. Ich bin dann ganz Ohr, hellhörig, empfänglich.

U nd meist löst sich dann bald ein erster Gedanke, ein erster Halbsatz, ein Satz. Ein Zuruf beginnt sich zu bilden, spricht sich aus, Wort für Wort. Ich habe Freude daran, die bereits vorhandenen Worte mir immer wieder laut zu- und vorzusprechen. Sie vermehren sich, tauschen sich aus, rücken ein und aus, werden wieder weniger, konzentrieren sich. Dann schreibe ich sie als Rohtext auf, um sie so aufzubewahren und nicht wieder zu vergessen.

T age oder Wochen später tauchen sie wieder auf und wollen wieder ausgesprochen werden, verändern sich und begleiten mich eine Weile, festigen sich schließlich. Wieder schreibe ich sie auf, vergleiche sie mit der ersten Niederschrift. Eine kurze Arbeit am schriftlichen Zuruf beginnt. Ich achte darauf, dass das mündliche Sprechen nicht verloren geht, denn ihre Wirkung entfalten die Zurufe vor allem als gesprochene Worte. Das ist ihr Wesen.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, Oktober 2020