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Gerhard Mevissen - Newsletter im Februar 2020

Brief aus dem Atelier 72 - Februar 2020


Liebe Freund*innen kontemplativer Kunst!

H eute möchte ich Sie auf ein neues Ausstellungsprojekt hinweisen, das am 15. März im Monschauer Kulturforum „Aukloster“ eröffnet wird. Es handelt sich hier um eine Gruppenausstellung von bildnerischen Arbeiten, die in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Flussperlmuschel“ von 33 Künstler*innen aus der StädteRegion Aachen entstanden sind.

V eranstalter ist die Kulturstiftung NRW in Kooperation mit der Biologischen Station der StädteRegion Aachen, die sich intensiv um gefährdete Arten kümmert. Hier trifft Kunst auf Natur: Die bildnerischen Arbeiten stehen in Wechselwirkung zu den Flussperlmuscheln, die hier parallel in einer aufwändig aufgebauten Laborsituation gezeigt werden.

Einladung zur Ausstellung

A ls die Biologin Frau Selheim (Biologischen Station) mich vor einiger Zeit einlud, mich als Künstler an diesem Projekt zu beteiligen und mich für dieses uralte, kleine Muschelwesen begeistern konnte, habe ich gleich zugesagt. Etwa 80 Höhenmeter ins Tal hinunter, also ganz nah an meinem Atelierhaus fließt der Perlbach. Er trägt in seinem Namen, dass hier seit langem diese sehr rar gewordene, gefährdete Muschelart lebt, die heute von der Biologischen Station betreut wird.

D as Muschelwesen lässt sich vom fließenden Wasser durchströmen und nimmt daraus seine Nahrung auf. Besonders faszinierend ist aber seine Fähigkeit zur Perlenbildung. Hat sich ein Gegenstand in seinem Weichkörper störend festgesetzt, dann ummantelt die Muschel ihn mit Perlmutt und erzeugt so über Jahrzehnte eine kostbare Naturperle.

H äufig ist es ein grobes Sandkorn, das hier zum Problemfall wird. Die Perlmuschel legt viele milchig weiße Hüllen um das schlichte Sandkorn herum, macht es so völlig unsichtbar und scheinbar vergessen. Aber es bleibt die Mitte der Schönheit, die das Sandkorn Jahr um Jahr umwächst. Was für ein Geheimnis von Schönheit?

S olche „Perlbildung“ sehe ich auch im schöpferischen Handeln: In der Kunst, ebenso wie in Literatur, Musik oder Tanz werden tiefe menschliche Grunderfahrungen gebündelt und kristallisiert zu etwas Kostbarem.

M ir kommen Märchen und Mythen in den Sinn, in denen Menschen durchlebte Trauer und Verlusterfahrungen als Perlen weinen, die dann meist in besonderen Gefäßen gesammelt werden. Vielleicht kann man darin auch ein Sinnbild sehen für den Umgang mit etwas, das sich im Leben von uns Menschen festgesetzt hat, das durchgestaltet werden will und im Guten zu einer sinnstiftenden, positiven Lebensessenz werden kann, zu einer kostbaren Konzentration von Humanität, zu einer Perle.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 19. Februar 2020