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Gerhard Mevissen - Newsletter im März 2018

Brief aus dem Atelier 59 - März 2018


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

K aum ist der „Brief aus dem Atelier“ von seinem bisherigen Erscheinen am ersten Tag des Monats losgelöst und kann kommen, wann er will, setzt er sich nun sogar früher in Bewegung, ausgelöst durch den Leseabend „Umkreisungen“ im Rahmenprogramm meines aktuellen Bonner Ausstellungsprojektes. Das befindet sich gerade mitten in der Durchführung.

Informationen zu diesem Projekt finden Sie auf meiner Internetseite.

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N ach den einfühlsamen Worten der Einführung von Dr. Gerhard Dittscheidt aus Wuppertal lasen acht Sprecherinnen und Sprecher eine Auswahl meiner Texte für interessierte Gäste, eingerahmt von feintönigen Improvisationen des Musikers Bernd Janßen am Flügel.
Die Worte klangen frei und schwebend im Raum inmitten meiner ausgestellten Bilder. Sehr persönlich vortragen, erlebte ich es für mich selbst so, als würden sie mir zurückgeschenkt: ein ganz inniger Moment des Nachhausekommens in meine schöpferische Spur. Diesmal war es ohne Bedeutung, ob die Malerei stärker ist als die Worte oder umgekehrt, ob das eine dem anderen die Aufmerksamkeit entzieht. Sie koexistierten einfach miteinander.

M eine Worte sind für mich keine Gedichte, keine Literatur. Ich nenne sie „Zurufe“. Ich sehe sie vielmehr als Zeugnisse poetischer und spiritueller Erfahrungen, als Zeugnisse geistig erfüllter Momente: Momente des situativen Findens einer Erkenntnis, des Erlebens einer besonderen Naturerfahrung; Momente, in denen essenzhaft ein Blick auf etwas fällt, aus dem Leben sich verdichtet ausdrückt. Sie sind herausgefischt aus einem strömenden Lebensfluss. Sie schwimmen plötzlich obenauf, einen Augenblick lang.

D ie „Zurufe“ sind mir umkreisende und balancierend existierende Wesen der Besinnung. Sie steigen plötzlich auf aus einer gesammelten Tiefe. Spontane Schöpfungen also, nicht wie meine gemalten Bilder, die über mehrere Stationen entwickelt werden, die immer wieder durchdacht und durchdrungen werden von intensiven Phasen der Betrachtung. An den Bildern lasse ich oft lange die Zeit einwirken. Sie bestehen aus Malakten in vielen Zeitlegungen aus verschiedenen Gestimmtheiten und Gelichten, ein permanenter Prozess der Annäherung und der Abstandsgewinnung zum heranreifenden schöpferischen Wesen.

G anz anders die „Zurufe“: Eruptiv treten sie in den Raum. Sie wollen nur ein wenig zurechtgerückt werden, nicht länger bearbeitet. Ihr O-Ton der Stille will erhalten bleiben, ebenso ihr Charakter als gesprochene, sich selbst oder anderen zugesprochene Worte. Schließlich schriftlich fixiert bilden die „Zurufe“ keine Worthäuser. Aber was wollen sie sein? Nur wandernde Lichtpunkte, die mal hier, mal dort bei Menschen für eine Weile ein kleines Lichtzelt aufschlagen, manchmal auch für längere Zeit.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 22. März 2018