Home | Kontakt/Impressum | Datenschutzerklärung


Gerhard Mevissen - Newsletter im Februar 2018

Brief aus dem Atelier 57 - Februar 2018


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

F ür den Februarbrief habe ich als Zuruf des Monats ein Textfragment ausgewählt, das schon lange in meinen Ateliertagebüchern – unveröffentlicht - aufgeschrieben steht. Ihm zugeordnet ist ein Bild aus dem Zyklus „Licht in den Brechungen“.

Zuruf des Monats Februar

W ährend die Galerieausstellung im Luxembourger „Espace mediArt“, Grand-rue 31 www.mediart.lu am 16. Februar zu Ende geht, schaue ich nun auf das kommende Ausstellungsprojekt in der evangelischen Emmaus-Kirche und in der katholischen Edith-Stein-Kirche auf dem Brüser Berg in Bonn, das vom 10. März bis 16. April stattfinden wird.
Die ausführlichen Informationen stehen auf der Startseite der Homepage bereit.

Startseite der Homepage

D as Ausstellungsthema „Bleiben im Treibenden“ bildet den inhaltlichen Rahmen der Bildsetzungen und des umfangreichen Begleitprogramms aus Musik, Führungen, Textlesung, Vortrag, Gottesdiensten und einem gemeinsamen Filmprojekt der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde. Sie reichern die drei Wochen vor und zwei Wochen nach Ostern mit geistig-geistlicher Fülle an. Vor der Osternacht wird die Bildhängung umgestaltet. Es gibt die Bilder, die während der gesamten Ausstellungsdauer ihren festen Ort behalten. Es gibt einige, die zwischen den beiden Kirchen hin- und herwandern, schließlich die „vorösterlichen“ Bilder, die durch „österliche“ ausgetauscht werden.

M ich interessiert das Bleiben des Menschen in einer treibenden, sich mehr und mehr übertreibenden Welt, in der es vielen Menschen schwer fällt, resonanzfähig zu bleiben für sich, ihre Mitmenschen und ihre Mitwelt. Meine Bilder möchten einen Ort der Ruhe bereit halten, eine sinnfragende und bergende, eine nach Würde tastende Ummantelung des Poetischen, des Spirituellen, des Humanen. Aus der Stille herangereift können diese Bildorte geistige Hauspunkte oder Lichtzelte sein, in die man schauend hineingehen kann, um dort einfach schweigend zu verweilen oder in die eigene Tiefe einzutauchen.

O ft bringen einen Stilleerfahrungen zunächst mit dem eigenen Unerledigten und der persönlichen Zerbrechlichkeit in Berührung , mit Verwundungen oder Brüchen. Gelangt man tiefer, befindet man sich in einer Tiefenschicht, die das Wunde und Brüchige unterfängt. Diese kann als etwas Ganzes wahrgenommen werden. Man kann sehen, was verwundet ist, und gleichsam erfahren, dass sich darunter etwas Heiles befindet. Es ist meist etwas Kostbares von einem selbst. Die Aufmerksamkeit wendet sich so von der Wunde zum Potenzial, das verletzt ist, eine Art Erfahrung des Reichtums unterhalb der Wunde.

E s geht um die Erfahrung der Fundamente des eigenen Lebens, das Eintauchen in diese unterfangenden Sedimentschichten von Sinn, von innerer Schönheit, von einem Leuchten, das sich selbst trägt. Die Berührung mit diesen basalen Dimensionen des Lebens kann ein Bleiben bei sich wie auch eine „Bleibe im Treibenden“ in der Welt freisetzen und der Ausgangspunkt sein für das Zugehen auf die anderen, ein Mitfühlen und Mitgehen.

D iese Dimension von innerer Schönheit, von Nähe, von Licht ist immer eine geschenkte, spontan erscheinend und es kann überall geschehen. Ich kann mich davon tragen lassen. Ich muss nichts tun. Ich kann auch nichts tun, außer es an mir geschehen lassen und empfangen.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Februar 2018