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Gerhard Mevissen - Newsletter im Januar 2018

Brief aus dem Atelier 56 - Januar 2018


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D as Jahr 2018 beginnt projektmäßig mit einer Galerieausstellung im Luxembourger „Espace mediArt“, Grand-rue 31.
In einer ein- bis zweijährigen Rhythmik gibt es diese Ausstellungslinie mit meinen Bildern seit 2006. Diesmal wird der Leiter der Kunstagentur Dr. Paul Bertemes unter dem Titel Recomposé drei bildende Künstler mit ihren Arbeiten zusammenbringen: den Bildhauer Laurent Nunziatini (Frankreich) und die Maler Raymond Weiland (Luxembourg) und mich, sozusagen ein französisch-luxembourgisch-deutsches Dreiländereck.

www.mediart.lu

V om 22. Januar bis zum 16. Februar werden dort die Bilder gezeigt. Das Herzstück werden die drei Tage 30. und 31. Januar und 1. Februar sein. An diesen Tagen ist von 11.00 bis 18.00 Uhr durchgängig geöffnet. Abends finden dort von 18.00 bis 19.30 Uhr interaktive Veranstaltungen statt: Einführung in die Werke, Treffen mit den Künstlern, geführte Besichtigungen. „Nach guter Luxembourgischer Gastlichkeit ist für Wein und andere Köstlichkeiten gesorgt“, fügt Dr. Bertemes mit einem Schmunzeln hinzu.

D ann möchte ich eine weitere Ausstellungsaktivität vorankündigen: das Nachfolgeprojekt der Bildsetzungen in Pax Christi Krefeld (Ostern 2017). Es wird fünf Wochen lang vom 10. März bis 16. April in der evangelischen Emmaus-Kirche und in der katholischen Edith-Stein-Kirche auf dem Brüser Berg in Bonn stattfinden, wieder in einer vorösterlichen und einer österlichen Hängung. Bei den Kirchen handelt es sich um ein bemerkenswertes Bauemsemble, das das Berliner Architekturbüro Ortner und Ortner BAUKUNST in einer starken Architektursprache dort vor 25 Jahren realisiert hat. Dieses Projekt wird im Februar-Brief ausführlich besprochen.

A ls Zuruf des Monats finden Sie diesmal – wie früher - ein Bild und einen Text. Die Worte haben sich aus dem Schreiben meiner persönlichen Weihnachtspost entwickelt. Das dazu gesetzte Bild ist schon 10 Jahre alt, aber es meldete sich als Dialogpartner. Als Fundament des Bildes steht dort „für alle, die im herzen barfuß sind“, eine Textzeile aus einem Gedicht des tschechischen Dichters Jan Skácel.

Zuruf des Monats Januar

V or einiger Zeit fragte mich jemand: „Sie haben so große Pinsel, so große Büttenpapiere und soviel Kraft in ihren kleinformatigen Arbeiten. Warum malen Sie nicht viel größere Formate? Damit könnten Sie sich ganz anders darstellen, so wie das alle machen.“ Ich habe in etwa so geantwortet: Immer wieder, wenn ich zeichne und male, wenn ich meine Bildwelt ausfalte, wird mir klar. Im eigenen Schaffen bleibe ich nur authentisch, wenn ich das mache, was gerade in meinen Malblättern entstehen will.

N icht die Bilder, die ich bei anderen bewundere, nicht die großen Bilder, von denen ich manchmal träume, sie zu malen. Nur die will ich malen, die unter meinen Händen sich frei materialisieren, nur die, die sich frei einstellen. Das ist mein Weg. Aus kontemplativen Erfahrungen schöpferisch zu handeln, das heißt für mich, von mir selbst möglichst abzusehen, mich zurückzunehmen. Mit möglichst leeren Händen trete ich dann frei in den Bildprozess ein und stelle mich dem hier im schöpferischen Dialog, was im Bildgrund entstehen will. Möglicherweise kann es auch mal ein größeres Format sein.

O ft reicht eine winzige Bewegung mit dem Stift oder dem Pinsel. Sie ist meist besser geeignet als eine große Dramaturgie, um etwas vom Leben und dem Menschlichen spürbar zu machen, was in der seelisch-geistig-leiblichen Tiefenbewegung im Menschen geschieht. Und als hätte ich es mir bestellt: Vor meinem Atelierfenster taucht eine kleine Haubenmeise im Untergehölz auf. Winzig und wendig, eine kleine Bewegung reicht ihr aus, um einer plump einfallenden Krähe auszuweichen.

Vielleicht ist das ein fruchtbarer Wink für das neue Jahr...

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Januar 2018