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Gerhard Mevissen - Newsletter im Dezember 2017

Brief aus dem Atelier 55 - Dezember 2017


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D as Jahr neigt sich seinem Ende zu. Aus der Sicht auf meine Kunstfährte hat sich darin viel Gutes und strömende Fülle ereignet. Auf der Projektebene schaue ich vor allem auf die Ausstellung in der Krefelder Kunstkirche Pax Christi zurück. Hier wölbte sich über das gesamte erste Halbjahr ein komplex durchwirkter Spannungsbogen aus Vorbereitung, Durchführung und Nachlese.

E s war eine starke Erfahrung, sich mit den Arbeiten der von mir geschätzten Künstlerinnen und Künstlern vor Ort in einen bildnerischen Dialog zu begeben.
Dann die gelunge „Erntedankfeier“ der Jahresgaben; und das Frühlingsläuferbuch. Es lief das ganze Jahr hindurch als ein kleiner, aber stetiger Fluss, wurde neu entdeckt oder verschenkt. Mal sehen, was es nun im Winter mit seinem Frühling so anstellt?

I m Zuruf des Monats finden Sie ein kleinformatiges Bild aus dem Zyklus „Post von der Insel“, das bei mir den Arbeitstitel „Pilgerschaft“ trägt. Jetzt, wo Weihnachten bald vor der Tür steht, mag manch einer darin die „Heiligen Drei Könige“ sehen. Wenn man dann genauer hinsieht, kann man eine vierte Figur am oberen Bildrand schweben sehen. Vielleicht ist das so betrachtet der „vierte König“, der nach einer anderen Version dieser Legende, den Anschluss an die königliche Gruppe verloren hatte, weil er vor lauter Mitleid mit den Menschen am Wegrand zu langsam vorankam.

Zuruf des Monats Dezember

D ie Startseite hat sich mittlerweile wieder verwandelt. Das neue Thema lautet: „Briefe aus der Stille“. Sechs Bildbeispiele sind dort zu sehen, wenn man sie anklickt. Diese neue Bildfamilie hat bislang 20 Mitglieder eingesammelt. Wenn es gelingt, müßige Zeiten zu verbringen, Momente der Ruhe, in denen wir nichts müssen müssen, Gedanken und Gefühle frei fließen können und einfach kommen und gehen dürfen, dann kann mich so etwas wie ein Brief aus dem Tiefenraum der Stille ungefragt erreichen, oft von weit her.

Startseite der Homepage

E in Brief aus der Stille kann auch – ganz einfach – ein Laubblatt sein, das gerade fällt. Es löst sich vom Zweig. Wer hört es? Dieser leiseste Ton, der mit den vielen anderen zur Melodie werden kann: heruntergetragen zur Erde wie auf einem Feingespinst von Lichtfäden, schwebend, tanzend, nach einer verborgenen Choreographie der Schwerkraft bewegt. Dieser leisteste Ton ist wohl nur hörbar-fühlbar, wenn ich innerlich mitgehe.

U nd haben die Blätter den Erdboden erreicht, müssen sie schon das Glück haben, dass Wind sie weit genug unter die Stäucher weht, sonst entgehen sie nicht dem Besen, der hier für Ordnung sorgt. Gleichsam können wir uns wie die Blätter als getragen von Worten, Bildern und Liedern erfahren, die uns begleiten im Vorübergehen.

U nd über mir ertönen die Rufe von Kranichen, die mir wehmütig nach der Seele greifen; Rufe, die ihre Flugform festigen: nach vorne spitz, nach hinten weitoffen, einsammelnd. Sie treiben ihren Keil über mich hinweg in die Fremde hinein, bis ins Warme, wo sie überwintern wollen. Da gehe ich jetzt lieber auch ins geheizte Atelier hinein, wo ich zur Winterzeit in die Farben einziehen kann, die ich einen Sommer lang innerlich gesammelt habe.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Dezember 2017