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Gerhard Mevissen - Newsletter im Mai 2017

Brief aus dem Atelier 47 - Mai 2017


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D ie Führungen durch die Krefelder Ausstellung vor und um Ostern herum gelangen dicht und waren gut besucht. Sie waren eine Freude für mich. Nun strömen noch fast vier Wochen Zeit dahin, in der interessierte Menschen dort in Ruhe schauen können. Die feierliche Abschlußführung und das Ende der Ausstellung gestalte ich mit dem irakischen Kniegeiger Bassem Hawar am 21. Mai um 15.00 Uhr. Dazu eine herzliche Einladung an alle!

D as geistige Durchschreiten der Themenwochen der Passion, der Kartage und Ostern umfasst einen wesentlichen Kernpunkt der menschlichen Existenz: das Leiden, die menschliche Sterblichkeit, die Hoffnung auf Überleben und die Frage eines Weiterlebens nach dem Tod. Und innerhalb des Lebens liegt der Focus auf das Durchleben von Leid und Verlust, von Angst und Bedrohungen wie auch auf deren Auflösung: ein Sich-Aufrichten aus dem Leiden zu einer neuen Vitalität, zu einem neuen Leben im Leben, in ein erneutes Vertikalwerden.

Zuruf des Monats Mai
Mich beschäftigt als Maler schon ein Leben lang diese Vertikale sowohl die im überwundenen, hinter sich gelassenen Leid wie auch das Vertikalsein im Leid selbst. Diese Aufrichtungskräfte aus der Leiderfahrung selbst, diese Gelichte, die im Leid selbst liegen, ohne dass es überwundenen werden kann, sie nenne ich Werdekräfte. Viele meiner Bilder aus den vergangenen 25 Jahren tragen in irgendeiner Weise diesen Namen.

A uf einem kleinen Bild, das sich schon lange in der Klausur der Abtei Mariendonk befindet, habe ich einmal die Worte „Reichtum der Wunde“ geschrieben. Damit meine ich basale Sinnerfahrungen, die so nur der leidende Mensch machen kann. Es gibt eine Poesie, die im Leid liegt und nur dort. Sie hat eine palliative, tröstend-ummantelnde Natur. Sie „behandelt“ in geistiger Fürsorge tröstend und mildernd Menschen mit Verlusterfahrung, die nicht umkehrbar und auflösbar sind. Diese Art von Poesie ist wie ein Pflaster für Wunden, die nicht heilen können und so durch das weitere Leben mitgenommen werden wollen.

P oetische Worte, Bilder, Musik oder Tanz können so eine tröstliche, palliative Heimat sein, ein großer, besonderer Schatz aus dem kulturellen Langzeitgedächtnis der Menschheit und ebenso auch aus den Werken der zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, die tagtäglich die selben Nachrichten hören, die gleichen Filme sehen, die gleichen Bücher lesen und unter ähnlichen Bedingungen leben wie man selbst.

D iese Art Heimat ist eher ein persönlicher Raum der Selbstvergewisserung. Sie ist mir gegenüber und an die Seite geschenkt, eher etwas Dialogisches, etwas mir Zugefallenes.
Ich habe keinen Besitzanspruch darauf. Sie ist auch kein Landstrich, wo ich mir ein festes Haus bauen kann. Es geht um eine Beheimatung auf Zeit. Sie ist ständig veränderbar und einer fragilen Balance unterworfen.

V on diesem Wesen ist auch das geistige Klima, das ich in meinen Bildern suche und dorthin ersehne. Dafür braucht es sorgfältig ausbalancierte Formgewichte, konzentrierten Ausdruck und einen farblichen Klangraum, in dessen mitunter großen Schlichtheit und Nachtschwere der Morgenstern ahnbar bleibt.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 28. April 2017