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Gerhard Mevissen - Newsletter im April 2017

Brief aus dem Atelier 46 - April 2017


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

Dir gegenüber und an die Seite geschenkt
Unter diesem Motto wurde am vergangenen Sonntag meine neue Ausstellung in Krefeld eröffnet: viele interessierte Menschen, eine starke und engagierte Eröffnungsrede von Dr. Christine Vogt und eine wundervolle, erste Resonanz, die einen gelungenen Dialog zwischen den Kunstwerken vor Ort und meinen Aquarellen zurückmeldete.
Dies ist ein besonders glückhafter Moment für mich in der eigenen schöpferischen Spur, wenn eine möglichst sorgfältig gelegte Saat aufgeht!

A m Sonntag, dem 9. April um 12:00 Uhr (Palmsonntag), werde ich selbst durch diese vorösterliche Hängung führen.
Am Ostersonntag, dem 16. April - ebenfalls um 12:00 Uhr -, bieten Theo Pannen und ich ein Gespräch vor den Bildern der dann ins Österliche veränderten Bildhängung an. Sie wird bis zum 21. Mai so bleiben. Zu beiden Führungen lade ich Sie herzlich ein.

D as seltene Leberblümchen hinter meinem Haus ist wieder da. Ich widme ihm den Zuruf des Monats April in Text und Bild aus dem Buch „Frühlingsläufer“.
Statt der alljährlichen elf Blüten schauen mich diesmal 14 leicht lila getönte Bläulinge an; für ein solch seltenes Wesen eine fast sprunghafte Weiterentwicklung. Währenddessen gehen die Schneeglöckchen mehr und mehr in ihre Samenstände über. Einige Handvoll Wildnarzissen und Waldprimeln blühen auch schon. Hier und da verstreut lässt sich ein sibirischer Blaustern entdecken. UND die erste Löwenzahnpflanze – die einzige weit und breit – streckt eine fast ganz geöffnete Blume in die Höhe.

Zuruf des Monats April

D iese eine reicht mir, dass die Millionen grünen Blattrosetten - als „Frühlingsläufer“ noch ohne Blüte - im Geiste zu Millionen sonnenhaften Blumenküssen werden, die sich tief in den Himmel werfen zu lassen, der Sonne entgegen. Die alljährliche Erfahrung dieser großen Wärmeverwandlung der Winterwiesen ist ein einzigartiges Fundament der Vorfreude. Sie wird bereits von einer einzigen „Blütenfackel“ entzündet.

J aja, mein Wildblumengarten atmet den Winter aus. Das letzte Laub fällt von den Buchenhecken. Ich kehre es unter die Bäume und Sträucher. Denn der Kompost ist das Herz des Gartens. Dahin geht alles und von dort kommt alles zurück. Der Wildgarten ist kein Wohnzimmer, das fein säuberlich geputzt und gesaugt werden darf. Die Laubdecke hält die Wurzeln der Bäume feucht und gibt ihnen die Nährstoffe zurück. Hier ist Saugen und Blasen ein Problemfall für das alljährliche Stirb und Werde.

F ür mich ist ein naturbelassener Garten ebenso wie ein kontemplatives Bild ein poetisches und spirituelles Gebiet einer freien Hoffnung: Eine Schonung der anderen Zeit in einer Zeit, in der allzu viele dem Nützlichen, dem Konsum, dem Erfolg nachjagen.
Während der Eröffnungsveranstaltung in Krefeld sagte ein Mann zu mir:
„Ich habe verstanden: Sie bieten uns Betrachtern in ihren Bildern stille Buchten für das Nachsinnen, für geistreiche Unterbrechungen in der rastlosen Hatz unserer Zeit an. Aber Sie glauben doch nicht wirklich, dass Sie damit irgendetwas zum Besseren ändern können.“

I ch habe ihm geantwortet mit dem Bild des Gartens. Ein lebendiges Bild ist wie ein Garten. Kaum ist es angelegt im Beet des Papiergrunds, beginnt es sich zu entwickeln, erst im Schaffensakt des Malens, dann im Schaffensakt des lebendigen Sehens. Es bildet Farben und Formen aus, wird erkennbar und verändert sich immer weiter wie ein sich immer wieder selbst auswischendes Zeichen. Es entzieht sich erfolgreich dem Nutzen , dem Spekulieren, den fertigen Bedeutungen. Das Bild will immer wieder neu entdeckt werden. Es ist wie ein Garten: Er widersetzt sich nicht der Zeit, er geht mit, er geht mit dem Sehen und lebt sich weiter aus in empfindsamen Menschen

I So antwortete ich dem Mann auf der Krefelder Eröffnungsveranstaltung:
„Das Bild ist wie ein Garten und kann kein Haus sein, nicht einmal ein Zelt. Es wird auf Dauer nicht sesshaft. Ein Bild hat ein zerbrechliches Wesen und ist ziemlich schutzlos. Es braucht Menschen, die dafür die Verantwortung übernehmen und es gut behandeln. Es widersetzt sich eben nicht der vergehenden Zeit, der Mißhandlung, der Zerstörung.
Es braucht überlebensnötig, dass es in gute Hände gegeben bleibt. Ich bin überzeugt davon, dass der persönliche Umgang mit poetischen und spirituellen Dimensionen das Leben eines Menschen bereichert und „besser“ macht. Vielleicht ist es nicht hoch genug zu schätzen, im Kontakt mit etwas substanziell Unnützem zu bleiben, am besten ein Leben lang, - etwas von Irgendwoher und Seit.“

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. April 2017