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Gerhard Mevissen - Newsletter im März 2017

Brief aus dem Atelier 45 - März 2017


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

I m Moment stehen meine Tage fast ganz im Gedanken- und Handlungsraum der herannahenden Ausstellung in der Pax Kirche Krefeld. Die Bildmannschaft hat sich mittlerweile klar herausgebildet. Die persönlichen Einladungen sind fast alle versandt. Das Praktische in der Vorbereitung fordert nun das Zentrum ein. Es geht in die Zielgerade des Projektes. Ich brenne darauf, meine wechselwirkenden Bildsetzungen zu den Kunstschätzen vor Ort nun endlich zu zeigen.
Sie finden alle Informationen zu dieser Ausstellung auf der Startseite meiner Homepage. Dort können Sie sich auch die Einladung und eine Übersicht über das Begleitprogramm herunterladen.
Ich freue mich auf Ihren Besuch.

Startseite

D ie Kunstwerke hier sind materialschwer und von großem Ernst. Sie korrespondieren vor allem mit biblischen Not- und Errettungsgeschichten. Darauf reagiere ich im Zuruf des Monats März mit dem Text „Buchraum Mesopotamien“ und dem Bild „Bleibe im Treibenden – dir an die Seite geschenkt“. Das Bild war eine großformatige Arbeit aus dem Jahr 2008. Im Laufe der Auseinandersetzung mit den Arbeiten in der Krefelder Kunstkirche habe ich das Bild nun wieder aus seinem Rahmen gelöst und mit der Schere weitergestaltet. Es hat sich in eine kleinformatige Bildarbeit verwandelt, die neben der Tür zur Taufkapelle hängen wird.

Zuruf

A ngesichts der politischen Großwetterlage fällt mein Augenmerk immer wieder auf zehn Steinbrocken, die hier als „Zehn Gebote“ an einer Wand befestigt sind; eine Arbeit des japanischen Künstlers Chihiro Shimotani. Alle zehn Steine zeigen die gleiche Abbildung der entsprechenden Seite aus der Lutherbibel. Auf jedem Stein ist jeweils eines der Gebote ausgekratzt sprich durchgestrichen. Da geht mir immer wieder der Satz durch den Sinn, den man zur Zeit aus Amerika vernimmt: „Das Gesetz steht über dem Präsidenten!“ Wie beruhigend Gebote und Gesetze sein können, halten sie ein gewisses Gatter um den Garten der Humanität, vor dem drohenden Verbiss durch Gewalt und kalter Macht.

D er Baum des Lebens steht in der Mitte des Paradieses. Er ist für uns Menschen unantastbar. Will wohl sagen: Die Mitte des Lebens ist unverfügbar. Wenn versucht wird, sich ihrer zu bemächtigen, droht sie spirituell und ethisch verlorenzugehen. Ich kann mich an dieser Mitte ausrichten, sie umkreisen, von ihrer Nähe kosten, aber sie bleibt eine Dimension des Unverfügbaren.

M eine Erfahrungen mit der schöpferischen Welt sind unsagbar, unfassbar. Die Bilder, die daraus ausströmen, fassen es nicht, können nicht darüber verfügen, es nicht bildnerisch darstellen. Aber es kann für die BildbetrachterInnen ausreichen, dass sie über das lebendige Sehen, das sehende Sehen im Bildraum selbst Erfahrungen mit dem Unsagbaren machen.

I m Geiste gehe ich wieder durch die Pax-Christi-Kirche. Mein Blick bleibt hängen an dem Samuraischwert, das Joseph Beuys mit Filz umwickelt hat. Es ist mir, als höre ich ihn in seiner sympathischen Stimme sprechen: „Wir Künstler haben die Aufgabe, den kalten, schneidenden Geist unserer Zeit zu wärmen, zu trösten und fühlig zu machen.“ Innerlich antworte ich ihm: „Das ist es: Trost und Empfänglichkeit. Dann kann Würde aufkommen. Und wie gerne und wie oft hast Du, Joseph Beuys, Pflaster geklebt...“ Ich freue mich so auf diese Ausstellung. Am 26. März ist es so weit.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. März 2017