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Gerhard Mevissen - Newsletter im Februar 2017

Brief aus dem Atelier 44 - Februar 2017


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

W ieder habe ich mich für einen „Psalmtext“ als Zuruf des Monats Februar entschieden.
Ich schrieb diese Worte für Menschen, die einen schwerwiegenden medizinischen Eingriff in Richtung Heilung durchgestanden haben. Dabei veränderte sich der Text von Mensch zu Mensch. So wie er im Moment stehen geblieben ist, finden Sie ihn als Zuruf des Monats Februar vor. Dazu gestellt habe ich das Bild „Ton Geben XXXVI“. Es entstand spontan, nachdem ich während der Ausstellungseröffnung (November 2016) in der Grabeskirche Köln den irakischen Kniegeiger Bassem Hawar gehört hatte, mit alten mesopotamischen Weisen voller Wehmut und feinrieseligen Klangkoloriten.

Zuruf des Monats Februar

A us den „Psalmworten“ leuchtet für mich die persönliche Gotteserfahrung in einer bedrohlichen Lebenssituation auf, ein Gemisch aus Worten, die sich ähnlich irgendwo im Psalter finden lassen werden und mit eigenen Kristallisationen aus Noterfahrungen gegenseitig durchtränken; wie wenn sich uralte Erfahrungen mit heutigen Erfahrungen fruchtbar verknüpfen und tragfähigen Grund stiften, auf dem man weitergehen kann.

I ch habe im Januar damit begonnen, regelmäßig die Kunstkirche Pax-Christi in Krefeld aufzusuchen. Damit sind meine Vorbereitungen im vollen Gange, dort Bildsetzungen zu dem profunden Bestand zeitgenössischer Kunstwerke zu entwickeln. Unter dem Ausstellungstitel „Dir gegenüber und an die Seite geschenkt“ wird am Sonntag, dem 26. März, um 12 Uhr die feierliche Eröffnung dieses dialogischen Projektes stattfinden.

B etrete ich die Räume der Pax-Christi-Kirche, nehme ich sogleich wahr, mich an einem stark auratischen Kunstort zu befinden. Es öffnet sich eine feinstimmige und gleichsam feierlich gewichtige Balance zwischen diesen substanziellen Kunstwerken. Der lebendige Dialog zwischen all dem, was hier von der Kirchengemeinde und ihrem früheren Pfarrer Karl Josef Maßen über Jahrzehnte sorgfältig erwogen und engagiert zusammengetragen wurde, erlebe ich als Besucher wie aus einem geistigen Guss.

D er Raum hat eher etwas wenig Tageslicht. Aber er ist in eine dicht gespeicherte, lebendige Stille getaucht. Die Schöpfer der hier anwesenden Werke sind ein Kreis von hochrangigen künstlerischen Persönlichkeiten. Man findet hier ein mit Filz ummanteltes Samuraischwert von Joseph Beuys, ein starkes Nagelboot von Günther Uecker, einen Treppenaltar aus Holz von Magdalena Jetelová – unglaublich dicht , die „Mutter/Hungertuch“ von Felix Droese – eine großartige, tragische Frauengestalt, das mächtige „Tor zur Ewigkeit“ von Klaus Rinke, sensible Abformungen von Thomas Virnich, vor allem seinen „Kreuzstein“.

D ie „Zehn Gebote“ hat ein japanischer Künstler beigetragen, dann ein politisch aufgeladenes „Abendmahl“ von Klaus Staeck, Christusantlitze von Dorothee von Windheim, gleich stapelweise in einer Vitrine, ein wunderbarer Altartisch von Ulrich Rückriem; - einen besseren habe ich noch nicht gesehen. Berührende Holzarbeiten von Klaus Simon - drinnen wie draußen, ein kraft- und geheimnisvolles Großrund von Jürgen Paatz, ein karibisches Taufbecken mit einem Lot für den Segen und und und.

I ch bin eingeladen, für zwei Monate in einer vorösterlichen und einer österlichen Zeitlinie wechselwirkend zu den hier verorteten Kunstwerken Bilder aus meinem Schaffen zu hängen, zu stellen oder zu legen. Es kommt mir vor, als platziere ich meine kleineren und größeren Papierarbeiten wie handgeschöpfte Spiegel in einen wundersamen Hochwald der Kunst, einen ganzen Frühling lang. Es ist ein wunderbares Heimkommen zu KünstlerInnen, die ich sehr schätze, zu Themen, die mich auch seit Jahrzehnten beschäftigen. Und dann dieses fast spielerische Wittern: Wann setze ich mein Bild gegenüber und wann parallel, wann ergänze oder verstärke ich einen Aspekt. Welche eine große Freude für mich!

A m Ende bleibe ich bei der Marienikone in der Taufkapelle stehen. Sie lebt etwas ungemütlich zwischen zwei Türen. Diese Frau braucht mehr Solidarität und Schutz, von wo aus sie Schutz geben kann: für die Menschen in ihrer persönlichen Not, für ihre persönlichen Anliegen, für das Entzünden eines Kerzleins angesichts ihrer persönlichen Wunde.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Februar 2017