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Gerhard Mevissen - Newsletter im Januar 2017

Brief aus dem Atelier 43 - Januar 2017


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D as alte Jahr endete für mich mit einer botanischen Sensation: Zwei Tage vor Heiligabend blühte nach wochenlanger Knospenbildung ein „Keulen-Enzian“ auf.
Sein vier Zentimeter langer Blütentrichter hatte ein paar Kälteflecken, aber eine solche Rarität, ein solch köstliches Blau - vier Monate später, als von der Natur bestimmt, mitten in der Winterzeit - eine Rote-Liste-Pflanze aus dem Alpinum zu Weihnachten direkt vor meiner Haustüre.
Wunderbar! Wundersam! Wundervoll!

D er Zuruf des Monats Januar und die neu gestaltete Galerieseite der Homepage
greifen auf die Bildwelt der „Lichtfelder“ zurück, ein neuer Zyklus, zu dem ich auf das neue Jahr hin viel Inspiration für eine üppige Fortschreibung in mir warten fühle. Als Text habe ich eine Naturerfahrung aus dem „Wanderatelier“ der ersten Dezembertage eingestellt. Hier gab es reichlich sonnendurchflutete Morgennebel zu erleben.

Z Zurück zu den „Lichtfeldern“: In diesen Bildwesen taste ich weiter nach einem Bildraum, in dem ich versuche, immer weniger seine Oberflächen und die noch vorhandene Gegenständlichkeit mit Bedeutungen zu belegen. Stattdessen möchte ich malerisch mehr von seinem stillen inneren Leuchten her und unter die Oberfläche der Dinge schauen, die frei strömenden poetisch-spirituellen Klimata im Raum erscheinen lassen und spürbar machen.

D ie BetrachterInnen können Kontakt aufnehmen und nach ihren eigenen Erfahrungen auswählen, sich überraschen lassen, an einem gewählten Bildort verweilen und warten-sehen, was passiert und hier vorbeikommt; oder sich auf den Weg machen (im Bild), die Umgebung zu erkunden, aktiv zu suchen. Wie beim Wandern in der Landschaft kann man sich von der Ungenauigkeit des Sehens,von den wolkigen und nebligen Punkten mitten im konkret Sichtbaren ins Unsichtbare lotsen lassen.

H ier öffnet sich die Landschaft, die wir vor uns haben, in einen transzendenten, vielleicht auch als mystisch empfundenen Raum dahinter, ins Kontemplative. Hier gibt es, viel zu denken, zu sinnen und zu fühlen. Hier erreichen mich In-Vergessenheit-Geratenes oder neue Eingebungen. Empfänglichkeit stellt sich ein.

D ie neuen Bilder der abstrakten Landschaft im Gewand eines „Lichtfeldes“, das von Innen her leuchtet und strömt, wünsche ich mir wie einen Mantel. Er wird den BetrachterInnen angeboten wie ein einhüllendender Trostraum, eine Bergung in sanftem Licht, zwischen den Polen von Sinken und Steigen, von Schwer und Leicht, von Dunkel und Hell, zwischen Weite und Enge. Ja, ich werde im neuen Jahr weiter malend nach einem Bildraum suchen, der sich öffnet wie ein bergender Mantel.

E s ist das Kontrastprogramm zu einer Gesellschaft, die sich im beständigen Galopp zu befinden scheint, einer Welt voller beängstigender Gewalt und mitunter nacktem Terror. In ihr braucht es ummantelnde Schutzzonen der Selbstvergewisserung. Warum sollte dies nicht auch über ein Bild geschehen, das begleitet?

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Januar 2017