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Gerhard Mevissen - Newsletter im Oktober 2016

Brief aus dem Atelier 40 - Oktober 2016


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D ie „Frühlingsläufer“ sind nun unterwegs. Nach mehreren Jahren Entwicklungszeit brechen sie nun aus wie eine aus dem Gatter geratene Herde, stieben in all die Richtungen auseinander, aus denen sie durch Bestellungen gerufen werden.

A m 27. Oktober um 19 Uhr veranstaltet die Diözesan- und Dombibliothek Köln in ihrem großen Lesesaal die feierliche Vorstellung des Buch, das – wie vor vier Jahren das Zurufe-Buch – durch den Wechsel des Vorlesens von Texten und des Zeigens von Bildern aus dem neuen Buch, des Hörens musikalischer Beiträge und der erzählenden Moderation durch mich, den Maler, gestaltet wird. Es möge eine Art Geburtstagsfeier sein.
Ich freue mich sehr darauf, dort nach gesundheitlich schwierigen Jahren des Rückzuges wieder aufzutauchen und interessierte Menschen wiederzutreffen oder neue kennenzulernen.

A ls Zuruf des Monats Oktober habe ich ein letztes Mal eine Buchedition ausgewählt. Sie thematisiert die poetisch-spirituelle Aufbruchstimmung, in der ich mich zur Zeit mit der Herausgabe des neuen Buches befinde.
Zuruf des Monats Oktober

E s ist berührend, wieviel begeisterende Resonanz zu mir zurückkommt, je mehr „Frühlingsläufer“-Post zu interessierten Menschen Land gewinnt. Ich möchte Ihnen stellvertretend hierzu ein kleines Gespräch mit meinem Enkelmädchen Zoe erzählen.
Als sie das Titelbild des Buches sah, fragte sie mich: „Opa, das verstehe ich nicht. Die Sterne am Himmel sehen so komisch aus. Wieso hast du sie so anders gemalt?“
Ich fragte zurück: „Wie sehen sie denn aus?“
Sie antwortete: „Wie Fußspuren mit viel Sand dran.“
Ich: „Genau! Ich wollte zeigen: Da ist jemand über Sterne gelaufen und an seinen Fußspuren klebt noch jede Menge Sternenstaub.“

Sie: „Was meinst du damit?“
Ich: „Man kann natürlich nicht über Sterne laufen. Die sind viel zu weit weg von uns und viel zu groß. Aber ich wollte damit sagen: Wenn ich mich ganz ganz stark über mein Leben freue und besonders glücklich bin, ist das ein Gefühl wie über Sterne laufen. Und etwas von ihrem besonderen Licht bleibt an meinen Füßen kleben, mit denen ich dann durch mein Leben weitergehe.“
Sie: „Das kenne ich auch. Wenn ich Geburtstag habe und viele Geschenke bekomme, dann fühle ich mich soooooooo glücklich.“
Ich: „Ja, genau, solche Tage sind wie ein Geburtstagsfest. Da freue ich mich und meine Familie und Freunde, dass ich ein gutes Leben habe.“

E in gutes Leben haben, bedeutet für mich als Künstler darüberhinaus auch, über die gesamte Lebensspanne hinweg beschenkt zu werden mit Eingebungen. Da legt sich etwas von Außen in mich hinein: eine Idee, eine atmosphärische Berührung, eine Erkenntnis, die viel größer und tiefer ist als ich. Anfangs kann einem das große Angst machen, Angst, zerstört zu werden. Es fühlt sich so gewaltig an. Mit der Zeit habe ich gelernt, Vertrauen zu haben und dennoch empfänglich zu bleiben.

E ingebungen nisten sich bei mir ein, träumen sich in mir aus, formen und wandeln sich. Schließlich beginnen sie, Bild zu werden oder sich zu verworten, um mich auf diesem Wege wieder zu verlassen. Letztlich ist es eine spirituelle Erfahrung: Durch mich durch geht etwas, das größer ist als ich. Es wohnt für eine Weile in meinem Innern. Es zerstört mich nicht. Es bereichert mich mit Sinn und Licht, mit Mut und Weite. In einem meiner Texte im neuen Buch habe ich dafür ein Wort gefunden: Licht bestirnt mich. So gesehen ist es halt ein Laufen und Hüpfen über Sterne und breitet sich in meiner Seele aus wie Frühlingsblumen auf einer winterlichen Wiese.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Oktober 2016