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Gerhard Mevissen - Newsletter im Mai 2016

Brief aus dem Atelier 35 - Mai 2016


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

V or wenigen Tagen erhielt ich fünf Belegexemplare der Zeitschrift „Wege zum Menschen“, 68. Jahrgang, Heft 2 (April 2016).
Darin ist der Aufsatz von Dr. Gerhard Dittscheidt und mir unter dem Titel „Im Weiter zuhause. Seelsorgliche Dialoge angesichts von Kunst“ abgedruckt.
Hier geht es im Wesentlichen um meinen Redebeitrag auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP) im vergangenen Jahr. Hierhin war ich eingeladen, über meine Erfahrung mit dem Kunstbild als persönlichen Begleiter zu sprechen. Ich freue mich sehr über die Verbreitung im deutschsprachigen Raum.

D er neue Zuruf des Monats Mai ist ein alter.
Sie finden ihn im „Zurufe-Buch“ auf Seite 73. Das dazugehörige Bild stammt aus der „Buchedition Frühlingsläufer (Nr. 19)“, die sich gerade mitten in der Schöpfphase befindet. Das Wort „Frühlingsläufer“ befand sich schon im Zurufe-Buch und betitelt nun das Nachfolgebuch, das voraussichtlich im September erscheinen wird.
Zuruf des Monats Mai

Ä hnliches geschah mit dem Wort „Zuruf“. Es befand sich auch im Vorgängerbuch „Lichtung Stillefeld“ (Seite 45). Im Vorgängerbuch schlummerte also jeweils der Wortkeimling für das nächste. - Gut, nun geht es um die „Frühlingsläufer“.

Z unächst geht es mir um eine Naturwahrnehmung. Konkrete „Frühlingsläufer“ sind mir die Narzissen, die Schlüsselblumen und die Löwenzahnblumen, die die spätwinterlichen Gärten und Wiesen in warmtonige Lichtfelder verwandeln, als wäre der Frühling in Gestalt eines Läufers über Nacht darüber gejoggt. In seinen Fußspuren hinterließ er das warme Gelb.

F rühlingsläufer sind für mich ebenso Ereignisse oder Mitmenschen, die eine winterliche Tristesse frühlinghaft queren.
Es gibt diese Mitmenschen, in deren Spuren Werdekraft und Aufbruchsstimmung hinterlassen werden. Im Nachhinein sagen wir dann voller Dankbarkeit: Wie gut, dass ich ihr oder ihm gerade in dieser (Not)-Situation begegnet bin.
Oder das war das Beste, was mir passieren konnte!

I n dem Text-Bild-Buch „Frühlingsläufer - mir genügt das Gelb des Löwenzahns“ versammele ich Texte und Bilder aus den vergangenen Jahren (seit dem Erscheinen des Zurufe-Buches 2012), die etwas von solch lichtvollen Sinnerfahrungen aufscheinen lassen.
Momentan befinde ich mich mitten in der Phase der Text- und Bildauswahl und deren Nachbearbeitung. Das Herzstück des kommenden Buchprojektes bildet eine Buchedition, die aus buchstückartigen Bild-Text-Arbeiten besteht.

L etztlich geht es mir im Bild und im Wort um das innere Wahrnehmen, um die Ermutigung zum Wahrnehmen mit dem Herzen. Das Beobachten des Lebens um sich herum, das Abwägen und Abmessen, das Prüfen und Einordnen sind hier nicht in erster Linie gefragt. Vielmehr geht es um das Schauen, ein Schauen, das nicht erklären will, nichts herausfinden muss; ein schwebendes, fließendes Sich-dem-Sinnen-überlassen. Dann kann uns ein tiefendes Gefühl vom Reichtum des Lebens durchströmen. Er kann in allem verborgen sein. Und von diesen Erfahrungen haben wir in unserer Welt viel zu wenige.

J e mehr es mir als Maler gelingt, mich mit Vertrauen und möglichst auch mit Demut in die Wurfbahn des Schöpferischen und Spirituellen zu stellen, desto intensiver können mich Eingebungen treffen und Inspirationen erreichen. Mehr und mehr nehme ich wahr, dass Demut und Kraft zusammen zu finden sind. Gelingt es mir, mich und mein persönliches Wollen zurückzunehmen und absichtslos dem Strömen aus meinem Inneren schaffend zu folgen, um so stärker fließt geistige Ladung ein in meine Bilder.

N un schaue ich aus meinem Fenster und sehe schon wieder Schneeregen. Dennoch gehe ich jetzt an meinen Arbeitstisch zurück und werfe weiter „Frühlingsläufer“ aus.
Basta.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 28. April 2016