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Gerhard Mevissen - Newsletter im März 2016

Brief aus dem Atelier 33 - März 2016


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

Der neue Zuruf des Monats März und das dazugehörige Bild sind wieder eine "Text-Bild-Doppelkammer".
Der Impuls war diesmal das spezielle Mondlicht einer der ersten Februarnächte. Der Mond war nicht zu sehen. Er erleuchtete aber diffus die Nacht, unter Mithilfe der Lichtbrechungen an der verschneiten Landschaft. Ein wundersamer, subtiler Zauber, "perlenblass".
Zuruf des Monats März

Auch in diesen letzten Februartagen schaue ich morgens hier auf die verschneite Wildblumenwiese hinter unserem Wohnhaus. In der Schneedecke sehe ich die frischen Laufspuren der Tiere von der vergangenen Nacht: die großen Hufeindrücke eines Hirsches, eine Fuchsspur, Pfotenverläufe der nachbarlichen Katzen. Der Schnee zeigt die Landschaft in ihrer Zweitform und die nächtliche Anwesenheit der Tiere. Er macht so die Natur ein wenig vollständiger.

Dann möchte ich darauf aufmerksam machen:
Die Startseite der Homepage hat wieder gewechselt. Die Ankündigung der Hospizausstellung (Sie endet am 20. März.) hat der nächsten Ankündigung einer Ausstellung Platz gemacht. Diesmal handelt es sich um eine Galerieausstellung im Zentrum von Luxembourg in der "Espace mediArt". Sie dauert vom 24. März bis 3. Juni 2016. Das Thema lautet Landschaftsbilder."
Startseite der Homepage

Fünf KünsterInnen hat Dr. Paul Bertemes (Leiter der mediArt-Agentur) dafür ausgewählt. Sie stammen aus Luxembourg (2), Frankreich (1) und Deutschland (2). Ich bin neugierig, wie er die verschiedenen Künstler und ihre Bildbeiträge in eine dynamische Wechselwirkung setzen wird. Aber dafür hat er bekanntlich ein gutes Händchen.

Die Ausstellung im Hochdahler Hospiz erfreut sich eines regen Interesses. Die Eröffnungsfeier gelang als dichte und gut besuchte Veranstaltung. Die Führung entlang ausgewählter Bilder war eine atmosphärisch intensive "Andacht", die mir noch lange nachgegangen ist. Und immer wieder erreichen mich Emails und handgeschriebene Briefe, die von Einzelbesuchen dort berichten.

In meinem Atelier herrscht seit Wochen ein intensives Bilderauswerfen. Neben den runden Formaten, den "Zeit Schonungen", dem "Wanderatelier" und den "Floralen Partituren" melden sich vermehrt alte Zyklen zurück. Der "Stille Speicher" ist seit einen Jahr wieder aktiv. Nun aber reihen sich auch der "Poetische Garten", die rar gewordene "Blume Narbe" und die "Werdekräfte" in den Prozess ein. Als wollten diese alten Wegmarken sich einmischen, um das Gesamtwerk zusammenzuhalten oder zusammenzubringen, als wollten sie dem aktuellen Arbeitsfokus – auf das Ganze gesehen – ein Korrektiv entgegensetzen.

Das wunderte mich zunächst, ist aber keine unbekannte Erfahrung für mich. In starken, innovativen Schaffensphasen haben sich immer wieder auch alte Zyklen bzw. Themenlagen neu belebt und dann weiterentwickelt. So verschmilzt und wechselwirkt Altes und Neues miteinander.

Meine derzeitige Fruchtbarkeit in der bildnerischen Arbeit sehe ich in einem vitalen Zusammenhang mit der Intensivierung meiner kontemplativen Lebensanlage. Es bedarf wohl eines bestimmten Maßes an Stille und Rückzug von der "Welt", um in einem guten Kontakt mit dem inneren Kompass zu kommen und zu bleiben. Für ein selbstbestimmtes Leben und eigenständiges, schöpferisches Arbeiten halte ich dies für unerlässlich.

Besonders kostbar ist es mir, im alltäglichen Übergang von Arbeitstag zur freien Zeit des sogenannten Feierabends (bei mir zwischen 20.00 bis 21.30 Uhr) eine kleine Weile Zeit für mich zu nehmen. Dann begebe ich mich geistig auf eine Art Anhöhe. Von diesem Plateau aus schaue ich über die Zeit, über die Zeit des vergehenden Tages, der Wochen, Monate oder Jahre und lese darin die Höhenlinien meiner Zeitlandschaft. Es ist mir der Gipfel der Selbstbestimmung, mir aktiv eine kleine Handvoll Zeit zu nehmen, um über die abgelaufene oder zuerwartende Zeit in aller Ruhe nachzusinnen, als betrachte ich den Flug des Rotmilans über den Wiesenhöhen vor meinen Atelierfenstern.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. März 2016