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Gerhard Mevissen - Newsletter im Januar

Brief aus dem Atelier 31 - Januar 2016


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D as neu begonnene Jahr liegt unter der schwierigen politisch-sozialen Gemengelage des vergangenen. Neben meinen eigenen Befürchtungen und Ohnmachtsgefühlen nehme ich im Schutz meiner Atelierklausur mit offenen Sinnen auch die blutige Last des Terrors, der großen Flüchtlingsströme und der Klimaveränderungen weltweit in den Herzen vieler Menschen wahr.

I ch wünsche Ihnen allen dennoch den Mut und das Vertrauen, die es braucht, um durch die dunkle Schwere der vielfältigen Gewaltmeldungen hindurch zu greifen nach dem Licht der Lebensfreude, des Friedens und der Würde.

I m Zuruf des Monats Januar lasse ich ein Thema anklingen, das Sie sicherlich als ungewöhnlich empfinden für einen Neujahrsbrief: Abschied am Sterbebett und gelebte Trauer. Das hat damit zu tun, dass am Freitag, dem 29. Januar (18 Uhr) eine Ausstellung mit meinen Bildern zu diesem Themenkreis eröffnet wird (siehe Startseite).
Zuruf des Monats Januar

D er Zurufetext und das dazugehörige Bild wurden gleichzeitig in mir ausgelöst, als ich Anfang Dezember eine Ortsbesichtigung im Franziskus-Hospiz Hochdahl unternommen hatte. Jahrelang konnte ich mich dazu nicht durchringen, mit Bildern ins Hospiz zu gehen. Mein Malerkollege Jan Masa aus Hochdahl ließ nicht locker, mich davon zu überzeugen. Nun ist es so weit.

U nter dem Motto „Dann wird Schweigen mein Lobpreis sein“ werde ich nun die Bildzeichen dorthin bringen, die vor allem den hauptamtlichen und den vielen nebenamtlichen Helfern, den Angehörigen und natürlich auch interessierten AusstellungsbesucherInnen spezielle Betrachtungsräume für dieses Themenfeld anbieten.

I ch schaue nun mit einer zunehmenden, inneren Gelassenheit in das werdende Jahr 2016. Mehr und mehr finde ich eine Lebensweise, die das Maß meiner Arbeitsleistung an die eingeschränkte körperliche Belastungsfähigkeit durch meine Grunderkrankungen anpasst.

I ch weiß ja nur zu gut aus den vielen Begegnungen mit alten und kranken Menschen, dass es keinen Verlass darauf gibt, wieviel und was man geleistet hat, auch dass Verdienste und Orden nichts wert sind, wenn es eng wird. Ich weiß, es bleibt immer vieles „unvollendet“ im Leben. Viele Rechnungen bleiben offen.

N atürlich hat ein Mensch so viel mehr Vermögen, als er leben kann. So braucht es eine Art Lebenskunst, um das Maßlose einer Lebensanlage, das nicht im wirklich bereitstehenden Raum und der gegebene Zeit unterzubringen ist, und den schmerzlichen Mangel, das Versäumte, das Unlebbare, die nicht gebauten Häuser auszubalancieren. Am Ende gilt es das Fragmentarische der menschlichen Existenz immer wieder zu bejahen und so gelassen wie möglich, die „Blüten der Augenblicke“ zu genießen, seine Arbeit in Ruhe weiter zu entwickeln und die kostbaren Begegnungen mit geliebten und geistig verwandten Menschen zu leben.

S o bin ich sehr dankbar für das neue Strömen in meiner schöpferischen Arbeit und in meinem Leben und Lieben, die neue Tiefe und die wundersame Lichtheit in allem.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 4. Januar 2016