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Gerhard Mevissen - Newsletter im November

Brief aus dem Atelier 28 - November


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D er „Brief aus dem Atelier“ des Monats November ist wie in den vergangenen beiden Jahren eng verbunden mit der Kunstaktion der „Jahresgaben“.
Sie bietet alljährlich zu einem reduzierten Preis Bilder an. Die wollen einerseits ein Dankeschön für Menschen sein, die sich mit meiner schöpferischen Arbeit interessiert verbunden fühlen und mich in einem lebendigen Dialog begleiten. Andererseits wird durch die Teilnahme an der Aktion meine Malarbeit in der Atelierklausur (Malstipendium) unterstützt. So kann ich die Projekte im Außenfeld geringer halten und mehr Malzeit für mich gewinnen.
Die Jahresgaben-Aktionen 2013 und 2014 sind gut verlaufen. Eine ganze Reihe von KunstliebhaberInnen scheinen daran interessiert zu sein, sich regelmäßig oder hin und wieder an den „Jahresgaben“ zu beteiligen. Das freut mich sehr.
Ist doch diese Aktion ein fester Baustein meiner künftigen Bildverbreitung. Dazu werden sporadisch veranstalteten „Offene-Atelier-Sonntage“ und die ein oder andere Ausstellung gehören, die mit Hilfe des „Freundeskreises“ realisiert wird. Und mein Wunschprojekt für das Jahr 2016 ist die Herausgabe eines neuen Bild-Text-Buches, eine kleinere, komprimiertere Fortschreibung des „Zurufe-Buches“. Wir werden sehen, ob es schon möglich ist... Priorität hat für mich aber die schöpferische Arbeit und das Entfalten meiner späten Blütezeit als Maler.

 Jahresgaben 2015 

N un zum Zuruf des Monats November: Das Sprechen in floralen Bildern und über den Kreislauf der Jahreszeiten ist lebendig in mir.
So wähle ich für den aktuellen Zuruf des Monats Bild und Text aus den Zurufe-Buch mit spätherbstlichem Blick in die nahende Winterzeit.
Zuruf im November 2015

S chaue ich zur Zeit in meine Wildblumenwiese, gibt es ein selten üppiges Nachblühen vieler Pflanzenarten zu sehen. Selbst die Lichtnelken und die Storchschnabelgewächse haben blühende Nachzügler ausgebildet. Auch ein gelber Scheinmohn leuchtet im Steinbeet und hält seine durch erste Nachfröste etwas verbeulte Blüte über die schon mattgrauen Gräser. Sie korrespondiert angenehm warmgelb in mir mit meiner Entwicklung der späten Blütezeit als Maler.

A m vergangenen „Offenen Ateliersonntag“ kritisierte eine Frau besorgt: „Bei Ihnen tauchen immer mehr Blumen auf, in Ihrem Erzählen, in Ihrer Schreibe, in Ihren Bildern. Das ist mir zu zahm und zu idyllisch. Ich vermisse die großen, starken Arbeiten wie vor Jahren die großen Requiems und Glorias, die ich in der Rochuskirche (Köln-Bickendorf) gesehen habe. Sie tun gerade so, als würden die Blumen sprechen können und Sie ihre Sprache verstehen.“

M eine Anwort: „Natürlich können Blumen nicht sprechen, aber sie öffnen mir die Augen.
Sie können mich darüber nachdenken lassen, ob ich nicht besser dem Leben vertraue als einem Sparbuch. Sie können mich lehren, langsam und sorgfältig zur Blüte zu gelangen, als mich ständig in einer mir fremden Taktung zu Leistungen anzutreiben. Sie können mir zeigen, auf welch dünnen Stängel so viel dynamische Standfestigkeit möglich ist.

S ie können mich erkennen lassen, dass eine Blüte kein Endergebnis eines Prozesses ist, sondern vielmehr ein sich ausfaltendes Einmünden in den unendlichen Raum des Himmels.
Und am Ende grüßt die Blume die Blume in mir.“

I ch beende meine eifernde Rede, schnaufe ein wenig, atme tief durch und schweige blumig.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. November