Home | Kontakt/Impressum | Datenschutzerklärung


Gerhard Mevissen - Newsletter im August 2015

Brief aus dem Atelier 25 - August 2015


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

I ch melde mich aus der Sommerzeit zurück mit einem kleinen Gedanken als Zuruf des Monats August zum Thema Staunen.
Ich fand ihn in mir, als ich mich auf die Führung entlang der Ausstellung „Post von der Insel“ in Köln einstimmte. Ich sprach aus dieser Haltung heraus zu einer interessierten Schar von Menschen, die am 16. August gekommen waren.
Zuruf im August 2015

S taunen kommt vor Verstehen.
Ja, das ist mein Weg der Bildfindung. Staunen ist zunächst eine Augenblickerfahrung. Sie öffnet mir eine andere Wahrnehmung der Zeit. Sie löst mich gefühlt von der vergehenden Zeit ab und führt zu einem Hauch von Ewigkeit.

E in Staunen ist von irgendwoher mir zugeworfen. Es verletzt mich nicht. Es berührt mich ganz unerwartet, erfüllt mich leiblich und seelisch. Vor mir ein Gegenüber, in mir eine ergreifende Atmosphäre. Die Zeit hält einige Atemlängen lang an.

I ch bin dann ganz bei mir selbst und alles Andere ist für diesen Moment von mir abgefallen. Solange dieser Zauber anhält, bin ich ohne Bewußtheit in ihm. Sobald ich ihn gewahr werde, beginnt sich das Staunen zu entwundern und aufzulösen. Die Zeit tickt wieder wie zuvor.

W ährend ich das wehmütig geschehen lassen muss, kommen die Gedanken zurück. Gefühle wie Abschiedschmerz und Dankbarkeit stellen sich gleichzeitig ein. Ich versuche, etwas von diesem Moment des Staunens in meine Bilder zu tragen. Ich spiele es nach. Töne es nach. Lasse es einrieseln.

W ährend der Führung durch die Ausstellung habe ich hierzu die Thematik Garten und Gärtner eingebracht. Der Garten ist überall auf der Welt mit einer Einfriedung verbunden. Das kostbare Lebendige darf hier geschützt gedeihen.

E in Garten ist ein Ort, der mich vom Zuschnell und Zulaut der Welt abgrenzt. Hier finde ich eine andere Zeitqualität vor als Draußen. Hier bin ich Gast. Hier kann ich meine Sorgen und Aufgaben abstreifen. Der Garten ist ein Ort des Schauens und Träumens.

U nd der Gärtner? Wenn er einen grünen Daumen hat, dann lässt er so viel wie möglich die Energien des Wachsens ungestört fließen, greift so wenig wie möglich darin ein. Die behutsamen Einschnitte der gärtnerischen Pflege und die Enschiedenheit des Schutzes machen den Garten aus. Dann ist er ein lebendiges Stück Kultur, ein Ort für Lichtungen des Staunens.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. August 2015