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Gerhard Mevissen - Newsletter im Juni 2015

Brief aus dem Atelier 23 - Juni 2015


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

D ie neu gestaltete Startseite der Homepage weist auf die nächste Ausstellung in Köln hin, die der „Kölner Freundeskreis Gerhard Mevissen“ initiiert hat. Am 27. Juni wird sie eröffnet und dauert bis zum 27. August.
Ausstellung "Post von der Insel"

V or einigen Monaten erhielt ich einen Brief von einer Frau aus Süddeutschland. Sie erwarb vor sechs Jahren ein Bild von mir für ihre Kunstsammlung. Daraus habe ich den Zuruf des Monats Juni gestaltet. Die „Blumen am Wegrand“, die ich ihm zur Seite gesetzt habe, sind zeitweise in ihrem Werdeprozeß von diesem Brief mitgeprägt worden.
Zuruf des Monats Juni

V on einer solch sinnbergenden, trostvollen Erfahrung des Angenommenwerdens in den eigenen Lebenserfahrungen, wie sie in diesem Brief beschrieben sind, zu erzählen, war ich im Mai auf einen Kongress eingeladen. Im Klausenhof Hamminkeln trafen sich viele Menschen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, um über den Wandel in ihren Arbeitsfeldern (Seelsorge, Supervision, kirchlicher Weiterbildung und Psychotherapie) zusammen nachzudenken.

A ls der andere Beitrag unter den ansonsten akademischen Leitvorträgen war ich angefragt, über meine Erfahrungen als Künstler mit dem Themenfeld zu berichten.
In den heutigen Wandlungsprozessen von Gesellschaft und Kirche verändern sich die Inhalte der spirituellen Erfahrungen, aber auch die Orte. Seit langem ist es zu beobachten, dass viele Menschden mit ihrer Sinnsuche aus den Gemeinden und den kirchlichen Institutionen auswandern. Ein Einwanderungsfeld stellt hier die Kunst dar.

V iele sinnsuchende Menschen von heute erlebe ich als Menschen, die freien und weiten Raum suchen, um mehr zu sich selbst zurückzufinden und ihre Fragen und Erfahrungen sich selbst zu vergegenwärtigen.
Die allgemein omnipräsente Getriebenheit und Aufgabendichte, die von eng gesetzten, zukünftigen Terminen bestimmt wird, ist hoch und führt zu einem großen Verlust des Lebens im Augenblick, zum Verlust der Gegenwart.

M enschen, die als SinnsucherInnen zur Kunst kommen, wünschen keine engen Antworten, sondern Begegnung und Austausch von persönlichen Erfahrungen.
So verwundert es nicht, dass ihre Hoffnungen und Nöte die nutzlose Schönheit von Bildwerken brauchen und sie über ihre Betrachtung lebendige Erinnerungen an bereits erlebte Schönheit wiedererleben und wiederfinden.

U nd vielleicht ist die mitunter eher karge Schönheit eines abstrakten Bildes nicht nur ein guter Ort für die Zurücknahme von Gegenständlichkeit, sondern auch für die Zurücknahme von alten Bedeutungen, überalterten Antworten, von verödender Fremdbestimmung.

U nd der kontemplative Maler macht es vor: Er hält im Bildprozeß die Mitte weitestgehend von Überfrachtungen frei und nimmt seine Erfahrungen, die den Bildprozeß eröffneten, mehr und mehr zurück. So überlässt er den BetrachterInnen das Bildfeld. Nun kann hier die heilsame Lösung der Lebenserzählungen wieder ins Fließen kommen. Das grindige Schweigen, das verkrustete, gibt seine Geschichten nach und nach wieder frei.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Juni 2015