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Brief aus dem Atelier 15 - Oktober 2014

Als Zuruf des Monats Oktober habe ich einen Text aus dem Zurufe-Buch über die Geburt einer Welle ausgewählt und ihm ein Bild aus dem Zyklus „Ton Geben“ an die Seite gestellt. Der Newsletter selbst ist diesmal sehr persönlich gestimmt.
Zuruf Oktober 2014

Diesen Sommer habe ich mich noch einmal in ärztliche Hände begeben, da die Rückkehr aus meiner gesundheitlichen Krise in mein alltägliches und schöpferisches Leben erneut unterbrochen wurde und meine Symptome hochkochten. So bin ich nun – neu aufgestellt – wieder auf dem Weg einer noch langsameren Heimkehr in mein Künstlerleben.

Diesmal werde ich mich nicht aufbäumen, nicht so anstrengen, nicht kämpfen. Diesmal werde ich den zärtlichen Weg gehen, den langsamen, den ohne die Tapferkeit des Aushaltens von Schmerzen und Überlastungen auf eigene Kosten.

Ich werde daran arbeiten, so viel Ruhe in all meinen Fasern frei zu setzen, in all dem, was zu mir gehört, dass ein maßvolleres, heilsameres Leben mit mir selbst und meinen körperlichen Defiziten gelingen kann.

Ich möchte immer mehr lernen, aus meinen Quellen heraus zu leben und zu wirken, weniger über Taten und Projekte, als über meine Präsenz; eine Präsenz, die aus einer tiefen, ruhigen Strömung frei fließt und in meiner Art zu leben und zu schaffen spürbar wird. Ich wünsche mir: Mein Strömen möge so gemächlich sich voran bewegen, dass Andere sich darin spiegeln können.

Ich ahne es schon seit vielen Jahren: Die Blütezeit meiner Arbeit liegt noch vor mir. Die neue Bildwelt – ich kann sie jetzt nicht sehen – erwartet mich in einer noch tieferen Stille und noch intensiveren Verlangsamung, in einer Schonung der Zeit, einer schwebenden Zeitlichkeit. Dorthin wird der Weg der Zärtlichkeit mit sich selbst führen.

Aus dem Zuruf des Monats heraus gesprochen: Es ist eine neue Welle in meinem Leben unterwegs. Sie kommt aus großer Ferne auf mich zu. Ich kann sie noch nicht sehen, aber ich fühle ihre Präsenz, ich wittere ihr Geströme.

Oder als Bergwanderbild geschaut: Ich sehe mich wieder auf einem allmählichen Anstieg, denn die unerreichbar scheinenden Höhen sinken fühlbar. Dort oben wartet auf mich eine wunderbare Weite und Ruhe, eine erfrischende Kühle, und Licht, Licht, wundersames Licht.

Herzliche Grüße,

Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. Oktober 2014