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Brief aus dem Atelier 14 - September 2014

Als Zuruf des Monats September habe ich wieder ein Thema aus der Selbstreflexion meines Malerseins ausgewählt und dem Text ein Bild aus der letzten Bremer Ausstellung zugeordnet.
Zuruf im September 2014

Auch wenn unser inneres Horchen auf die Klangwelten von poetischen und spirituellen Botschaften noch so klein ist, selbst mit unseren stumpfen Sinnen können wir geschenkt angeschlossen werden an die Schönheit der inneren und äußeren Welten.

Ich glaube, da eine Reihe meiner Bilder dieses Tröstliche in ihrem Innenraum bereit halten, wählen immer wieder Menschen sie für sich selbst als Begleiter aus und wollen sie bei sich in der Nähe haben.

Das innere Bild des Malers verliert viel geistige Substanz im Prozeß der Bildwerdung. Aber auf geheimnisvolle Weise reicht es aus, interessierten Betrachtern wiederum ein inneres Bild zu stiften, ein eigenes Bild vom Bild. Das ist dann ein anderes als das innere Bild des Malers. Aber die Verbindung wird gehalten vom gemalten Bild.

Künstlerisches Arbeiten erlebe ich als einen komplexen Prozeß; Wandlungen von dem, was ich als Maler aus Quellen schöpfe, die außerhalb von mir selbst liegen.

Meiner malenden Hand vertraue ich dann blind. Über sie gelangen meine inneren Berührungen mit den Quellen ins Bild. Hier ist die Hand die berührende und gibt dies weiter an das entstehende Bild. Das wiederum ist eine Art Medium, über das die Berührungen mit den Quellen die Betrachter erreichen können.

Fühle ich mich uneins mit meiner Hand, male ich nicht, um die Übergabeprozesse nicht zu gefährden. Zumal selbst der zärtlichste Umgang der großen geistige Potenziale aus den Quellen mit meinen sehr viel kleineren schöpferischen Möglichkeiten vieles unterwegs im Malprozess verlorengehen lässt.

Der wundersame Lichtglanz des geschauten inneren Bildes zerbricht in diesem Transformationsvorgang des Nach-Draußen-Bringens, kann sich jedoch in kleinen Spurenelementen lichtsaatig im Papiergrund einnisten.

All das Wenige reicht aber aus, die Betrachter dennoch mit Schönheit zu berühren.
Welch eine schöpferische Kraft waltet hier aus dem Verborgenen?

Herzliche Grüße,

Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 1. September 2014