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Brief aus dem Atelier 13 - August 2014

Diesmal habe ich als Zuruf des Monats einen Text über mein Verständnis als Maler ausgewählt und ihm ein Bild aus dem „Zurufe“-Zyklus an die Seite gegeben.
Zuruf im August 2014

Wenn ich auf schöpferischem Wege danach suche, Räume zu schaffen für das Wunde, das Zerbrechliche, das Entwürdigte, ebenso für das Heile, das Ganze und die Würde, dann müssen die Verletzungen sich auch im Bild zeigen dürfen, um einen Ort zu finden für den Schmerz, an dem er zur Ruhe kommen kann. Hier nur das Helle, das Warme, das Behagliche zu zeigen, hieße den Schmerz nicht anzunehmen, ihn weiter herumvagabundieren zu lassen. So kann er sich nicht in Richtung Heilung verwandeln.

Ich glaube, da eine Reihe meiner Bilder dieses Tröstliche in ihrem Innenraum bereit halten, wählen immer wieder Menschen sie für sich selbst als Begleiter aus und wollen sie bei sich in der Nähe haben.

Um etwas Basal-Menschliches künstlerisch zu geben, braucht es den persönlichen Gang in die Tiefe und die Energie, solche Prozesse durchzutragen. Dann ist es für mich spürbar, dass Kraft von mir ausgeht, wenn ich male. Das bedeutet mir: Ich werde vom Schöpferischen berührt und es beginnt etwas Poetisches oder Spirituelles durch mich zu fließen.

Dann beginnt sich Basales im Bewußtsein des Menschlichen zu spiegeln, bei dem, der malt, und bei dem, der das Gemalte betrachtet. Es ist kein Über-Etwas-Bilden, sondern ein Darum-Ringen. Hier wird auf der Grenze zwischen Bewußtem und Unbewußtem gegraben, gesät und geerntet.

Herzliche Grüße,

Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 2. August 2014