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Gerhard Mevissen - Brief aus dem Atelier 7

Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst

Als Zuruf des Monats Februar habe ich diesmal einen Text und ein Bild aus dem „Zurufe“-Buch ausgewählt, das im Jahr 2012 im mediArt-Verlag Luxembourg erschienen ist.

Seit langem stelle ich fest: Immer mehr Menschen suchen Bilder auf, um sich in ihnen zu begegnen, sich von ihnen begleiten zu lassen und sie in ihrer Nähe zu haben.

Das ist eine Angelegenheit, die Lebensgeschichtliches und Leibliches freisetzt und auch in Bewegung setzen kann, was zuvor oft keinen Raum hatte oder lange in Vergessenheit geraten ist.

Bei kontemplativ gewonnenen Bildern stellt sich mir immer wieder die Frage: Haben solch impressive, innengeleitete Bilder zu wenig Körper? Sind sie zu wenig spontan, zu wenig riskiert, zu wenig expressiv, zu wenig warm, halt zu vergeistigt?

Dabei ist ihr Entstehungsprozess für mich als Maler oft ein sehr energiereicher und zeitintensiver Prozess der Kristallisation, der mich mit meinem ganzen Menschsein herausfordert,ein Prozess der Einfaltung; also ein jedes Bild ein kleines Faltengebirge, die Alpen als Vorbild nur in gigantischen Ausmaßen...

Ich hoffe, dass meine Bilder dennoch genug Temperatur entfachen, dass sie atmen und glühen und blühen in ihren BetrachterInnen. Ich wünsche mir: Sie lassen genug Raum für ihre Gegenüber.

Kontemplative Bilder sind von Natur aus defensive Wesen. Sie entstammen einer Malklausur und laden leise ein, auf sie zuzukommen und einzutreten. Sie drängen sich nicht auf und sind von ihrer Natur her aus dem Warten kommend starke Erwarter

So möchte ich als Maler mit Emotion den BetrachterInnen meiner Bilder zurufen:

Das Bild ist ein Raum und der Bildraum ist ein Körper. Er hat Temperatur, wenn du es anschaust. Körpertemperatur. Dann spricht es zu dir und hört dir zu. Du bist es selbst. Dein Herz pocht im Leib des Bildes. Deine Seele kann sich hier ausbreiten und immer wieder hierhin heimkehren. Und dann vielleicht leise oder laut den Lobpreis auf das Leben singen.

Herzliche Grüße,

Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 02. Februar 2014