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Gerhard Mevissen - Brief aus dem Atelier 5

Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst

Für den Monat des Advent habe ich einen Text über das Warten ausgewählt, der im Zurufe-Buch 2012 veröffentlicht wurde. Als bildnerisches Gegenüber schaut man auf eine "Werdekraft". Dieses Bild versucht die schwebende Atmosphäre zu versinnbildlichen, die mit dem Warten und dem Erwarten verbunden sein kann.
Zuruf im Dezember 2013

Warten, Zaudern oder sich etwas noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, das ist heutzutage wenig gefragt. Alles soll schnell und auf Termin abgeliefert werden. Ganz anders gehe ich als kontemplativer Maler vor. Ich arbeite auf Zuruf.

Da gilt es oft, geduldig zu warten, zu warten auf Anwesenheit und Verwandlung im schöpferischen Prozess.
Um ein inneres Bild oder vielleicht auch nur die starke Atmosphäre eines inneren Bildes aufs Papier nach Draußen zu bringen, erfordert das Arbeiten nach Eingebungen und Zurufen neue Wege des Tuns, die ich von mir selbst aus nicht gesucht hätte. Ich lerne immer wieder neu, wie ich auf Bildwelten zugehen kann, die noch im visuellen Schweigezustand liegen. Hierhin führen keine Übungen mit dem Zeichenstift oder Malstudien. Bei mir ist es vielmehr so, dass die Arbeit an der bildnerischen Form auch eine Arbeit an der eigenen Lebensform bedeutet. Ich muss, um meine schöpferische Arbeit voran zu bringen, immer wieder mehr oder weniger etwas an meinem Leben ändern.

Das bedeutet auch im bildnerischen Tun, abwarten zu lernen, wann der rechte Augenblick gekommen ist, schöpferisch zu handeln. Ich erlebe das als eine innere Haltung des Wartens und auch des Zauderns mit dem Ziel eines möglichst absichtlosen Empfangens. Wenn ich warte, mache ich mich offen für das, was eintreffen wird. Das braucht Vertrauen, da ich ja nicht wissen kann, was auf mich zukommt, ob ich es aushalten und gestalten kann.

Diese empfängliche Zeit des Wartens ist meist mit Phasen tiefer Stille verbunden. Hier begebe ich mich dann in Situationen, in denen ich mich mit etwas Größerem, Komplexerem, Tieferem aussetze. In der Zeit des Wartens kann die Vielfältigkeit eines Bildes stark wachsen, sich anreichern und kristallieren. Die anfänglichen Vorstellungen verändern und weiten sich. Die Fülle im Bild wächst dann wie eine Pflanze und breitet sich horizontal und vertikal aus, grünt und blüht.


Ich bedanke mich bei Ihnen allen für das rege Interesse an meinen "Jahresgaben". Das positive Echo auf die Bilder und die -für mich- neue Art der Präsentation haben mich sehr gefreut und lassen auf weitere Aktionen dieser Art hoffen. Die Jahresgaben 2013 sind noch bis einschließlich 6. Dezember 2013 auf meiner Internetseite zu sehen und zu erwerben.

Herzliche Grüße,

Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 01. Dezember 2013